Erstaunlich ist die Tatsache, daß Nostradamus im Vierzeiler 4/33  (das  ist ein recht schwach-
sinnig klingender Vers, der eine Reihe von Pla-
neten auflistet) etwas erwähnt, was ein normal
Sterblicher zu seiner Zeit eigentlich nicht hätte
erwähnen können.

4/33
Jupiter, mehr mit Venus als dem Mond verbunden, zeigt sich von hellem Glanz:
Venus, verborgen unter dem Schein Neptuns, von Mars geprägt, durch die
große Verästelung.

Haben Sie das Unding, den Knaller, bemerkt?
Vermutlich nicht. Nostradamus erwähnt hier in
einer (übrigens absurden) astrologischen Kon-
stellation von fünf Planeten auch Neptun – er
schrieb hier also einen Namen nieder, den sich
erst eine noch ungeborene Person für einen ge-
rade neu entdeckten Planeten ausdenken wür-
de, die erst 291 nach seiner Zeit leben agiert...

Vor dem Jahr 1845/46 existierte Neptun prak-
tisch nicht für uns Erdenmenschen. Aber Nos-
tradamus zählt ihn neben vier weiten Planeten
auf, als kenne man ihn schon seit Hunderten
von Jahren...

Einige 'wissenschaftlichen Experten' sprechen
sich dafür aus, daß Nostradamus mit 'Neptun'
wohl den Meeresgott meinte, aber so einfach
sollte man sich das nun doch  nicht  machen.
Daß sich die Venus hinter dem 'Schein' eines
Meeresgottes  verbirgt,  ist  sicherlich an den
Haaren herbeigezogen. Es führt kein Weg da-
ran vorbei:

Nostradamus nennt hier 5 Planeten unse-
res Gestirns – einer von ihnen ist Neptun!


Wie um alles kam er auf diesen Namen? Kann
man über einen Planeten schreiben, den noch
nie ein Mensch zuvor entdeckt hat? Kann man
ihm eine Bezeichnung geben (Neptun), die sich
erst hunderte Jahre später jemand ausdenken
würde? Hier muß jeder für sich selbst eine Ant-
wort finden. Wo immer – denke ich – Nostra-
damus auch sein Wissen um diesen Planeten
und dessen Namen herhatte: es ist auf jeden
Fall nachdenkenswert. Er hätte von der Exis-
tenz  Neptuns  einfach nichts wissen können
und dürfen. Aber sie war ihm nicht fremd. Und er hat sie merkwürdigerweise  auch  nicht be-
sonders hervorgehoben. Er sprach/schrieb da-
rüber, wie über 'einen alten Bekannten'.

Seltsam, oder...?

Andererseits: Wenn irgendwer je herausfinden
sollte, daß die Entdecker des Neptun eben je-
nen Namen wählten, weil Nostradamus ihn 290
Jahre früher aufgeschrieben hat, oder weil Nep-
tun einfach die logische Folge der anderen Pla-
netennamen  in  unserem Sonnensystem war
(Mars, der Kriegsgott;  Venus, die  Göttin  der Liebe; Jupiter der Götterbote usw.), dann aller-
dings spräche absolut nichts mehr für die The-se, Nostradamus habe die Entdeckung dieses Planeten einzig und allein durch prophetischen Gaben
'vorausgesehen'...

Im  Dez.  2001 trat  ein  junger Computer-Profi
in mein Leben: Joshua Remar, der es immerhin
schaffte, meinen seit 1999 gepflegten Nostrada-
mus-Pessimismus in Frage zu stellen. Er über-
nahm  meine  Idee,  wenn  Nostradamus  über-
haupt irgendetwas im Klartext ausgesagt hätte,
dann könne man dies  nur  finden,  indem  man
die meist  unzusammenhängenden  Zeilen  der
Vierzeiler mittels  eines  logischen  Schlüssels
sinnvoll neu zusammenfügt.

Joshua schaffte, wozu  meine Informatikkennt-
nisse nicht reichten:  Er  schuf ein Programm,
dass es ihm ermöglichte, die einzelnen Zeilen
neu zusammenzufügen. Er tüftele herum und
suchte nach  einer  plausibelen  Antwort,  wie
Nostradamus vor 500 Jahren vielleicht gearbei-
tet haben könnte, um seine echten Prophezei-
ungen so durcheinanderzuwirbeln, dass diese
zwar irgendwie wie Prophezeiungen  klangen,
aber  ohne ein bestimmtest Ordnungssystem
keinerlei Sinn ergäben.

Was Joshua herausfand lässt hoffen, dem Ge-
heimnis des Nostradamus wieder etwas näher
gekommen zu sein...

Nostradamus geizte in seinen Centurien mit
klaren Zeitangaben. Vielmehr zog er es vor,
sich dunkel und unklar auszudrücken. Zwei-
mal nur legte er sich auf  fixe Daten fest:


So blieb "d
er große Schreckensherrscher, der
im Juli 1999 vom Himmel kommen sollte, eben-
so aus, wie die Gefangennahme eines persi-
schen Königs in Ägypten, welche Nostrada-
mus für den Oktober 1727 vorausgesagt hatte.
In beiden Vierzeilern nannte er klar und un-
mißverständlich die Jahreszahlen und die Er-
eignismonate. Tatsächlich passierte jedoch nichts auch nur annähernd Zutreffendes...
Dieses Thema wird ausführlich
hier behandelt.


Woher kommen Prophezeiungen?
Kann man derartige Visionen tatsäch-
lich zeitlich, z.B. mittels astrologischer Berechnungen, festlegen?


Es wird immer wieder behauptet, Nostradamus
habe  seine  prophetischen  Visionen  auf dem
Dach sei
nes Hauses empfangen.  Dabei  habe
er  auf  einem dreibeinigem Hocker in einer Art
von  Bottich gesessen,  der aufgefüllt war  mit
Wasser und (giftigen) berauschenden Flüssig-
keiten. In diesem Zustand –  vollgekifft bis zur Halskrause – hätte er nun über etwas wie ei-ne Stabantenne seine Visionen empfangen und
diese am kommenden Tag niedergeschrieben.

Das Foto vom Nostradamus-Wohnhaus in Sa-
lon spricht für sich selbst: wie immer er auch
durch die schmalen Fensterluken das schrä-
ge Dach erklommen haben mag; sich dort in
einer gefüllten Wanne auf einem dreibeinigen
Hocker niederzulassen – es hätte nicht funk-
tioniert... (rechts, beige markiert).



Gegen Nostradamus spricht auch die Tatsa-
che, dass sich in den vergangenen  450  Jah-
ren  Hunderte von Autoren über Jahre hinweg
an  Nostradamus  'festgebissen'  haben,  ihn
nach  einem  Schlüssel  durchpflügten  und
durchkämmten und ihn dennoch nicht fanden.
Dies kann natürlich für die Pfiffigkeit des Se-
hers sprechen, anderseits – was, um alles in
der Welt haben Prophezeiungen für einen Nut-
zen, wenn Sie niemand deuten oder gar ent-
schlüsseln kann?

Bedenklich ist auch die Tatsache, dass alle
Nostradamus-Experten, die glaubten, endlich
den richtigen Schlüssel entdeckt zu haben und
uns Ergebnisse (entschlüsselte Voraussagen) präsentierten, die sich später als völlig falsch
entpuppten, dass diese Experten oft einer ab-
solut verblüffend erscheinenden Logik auf den
Leim gingen, die uns nachdenklich stimmen
sollte. Denn wenn 500 Experten jeweils eine
andere Logik entdecken, die zu letztlich doch
falschen Ergebnissen führt, könnte es sein,
dass der ein oder andere von ihnen tatsächlich
den richtigen Schlüssel entdeckte, diesen
aber nicht erkannte, weil die Voraussagen des
Sehers vielleicht falsch sind bzw. falsch waren.

So fällt es angesichts der verschwommenen
Sprache des Sehers auch schwer, seine Vier-
zeiler ohne jedwelchen Schlüssel einem ge-
schichtlichen Ereignis zuzuordnen. Selbst bei
den wenigen präzise formulierten Versen, wo
man klar bestimmen kann,  dass  dieses Er-
eignis bis heute noch nicht stattgefunden hat
(Methode T. Simrun: "Das was noch nicht war,
muss also noch eintreffen...")  muss  nicht
zwingend eine prophetische Substanz vorhan-
den sein. Es könnte nämlich auch sein, dass
die Nostradamus-Prophezeiungen schlicht und
ergreifend falsch sind und deshalb noch nicht
eintrafen...



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