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NOSTRADAMUS
und die Sterne
Falsch übersetzt und 'stimmig' gemacht...
Das zweite Wort in der dritten Zeile geistert seit der ersten Übersetzung der Centurien
falsch durch die Nostradamuswelt. Es wurde angepasst, stimmig gemacht, um dem ers-
ten Vierzeiler, dem Auftakt zu den Centurien, einen begreifbareren Sinn zu verleihen. Tatsächlich bedeutet das französische "Flambé" im alt-französischen Sprachgebrauch
aber niemals 'Flamme'. Das wäre 'Flambeau' und bedeutet  "großes Licht".
Da es aber ein 'winziges, großes Licht' nicht gibt, sollten wir das Wort zunächst so lesen,
wie es Nostradamus geschrieben hat und versuchen, dem Ganzen einen Sinn zu geben.

Tatsächlich heißt "Flambé" korrekt übersetzt 'verloren'  (ist aber auch der französische
Begriff für 'Schwertlilie', was einen Hinweis zum Hause Valois dastellen könnte, wel-
ches drei Lilien im Familienwappen führte. Heinrich II, der damalige König von Frank-
reich, dem Nostradamus seinen Brief an 'Henri II' widmete, gehörte zum Hause derer von Valois)...
Zwei Deutungen dieser Zeile wären somit möglich:
"Winzige Lilie heraustretend aus der Einsamkeit..." (an Henri II gerichtet) oder:
"Winzig, verloren, heraustretend aus der Einsamkeit..."

Die letzte Version, in Verbindung mit der darauf folgenden Zeile, erscheint logischer.

"Winzig, verloren, heraustretend aus der Einsamkeit,
aussprechend, woran man nicht vergeblich glauben soll."

"Proférer" ( =hervorbringen, aussprechen) lässt beide Übersetzungen zu. Will man hier auf die
"Lilie" verzichten, dann stellt sich die Frage, was da denn nun gemeint sein soll, mit dem win-
zigen, Verlorenen, das da aus der Einsamkeit hervortritt und hervorbringt oder ausspricht, woran
man tunlichst glauben solle...? Was meint der Meister" damit?

Winzige, wie verloren wirkende Sterne in der nächtlichen Einsamkeit des Alls...? Ein Hinweis
auf die zu Hauf erscheinenden astrologischen Wörter in seinen Vierzeilern und Briefen? Das
wäre möglich, denn in seinem Bannvers schreibt Nosradamus u.a, dass "Astrologen, Einfälti-
ge und Sprachunkundige" seinen Centurien fernbleiben mögen. Bezieht er da nun die Astrolo-
gen ebenfalls ein, könnte dies ein Wink dahin sein, dass er sehr wohl astrologische Begriffe
zu Massen eingeflochten hat, das diese aber nicht mittels der Astrologie berechnet werden
sollen. Warum sonst sollte er den Astrologen einen Platzverweis erteilen, seine Centurien je-
doch mit Begriffen aus der Astrologie überhäufen...?

Welchen Sinn hätte das? Absolut keinen. Halten wir also ruhig einmal die Astro-These für ei-
nen Augenblick fest, versuchen in den oben aufgeführten Zeilen einen Hinweis darauf zu se-
hen, dass astrologische Begriffe in den Vierzeilern eine Art von Signal sind und schauen uns
dann die Centurien des Nostradamus mit 'astrologischem Auge' an...

Der König der Löwen und andere Signale
Sollte hier ein Wink zu bestimmten Versen
zu finden sein, dann hatte Nostradamus mit den
zahlreichen Sprachvarianten der bekannten
astrologischen Symbole leichtes Spiel.
Denn all die vielen Sternzeichen und Planeten
kennt man auch in der lateinischen Sprache
sowie in Griechisch und Französisch – viel Spiel-
raum also, derartige Hinweise zuweilen offen,
andere Male jedoch auch bestens getarnt
unterzubringen.
Hier zunächst einmal die Liste der gängisten
Bezeichnungen für die bekannten Sternzeichen:
Während ich dasitze, nachts, bei geheimen Studien,
beruhend auf den unerschütterlichen Gedanken?
Winzige Flamme heraustretend aus der Einsamkeit,
bringt hervor, woran man nicht vergeblich glauben soll.
Schon mal den Einführungs-
Vierzeiler des Nostradmaus
astrologisch    betrachtet...?
ESTANT assis de nuict secret estude,
Seul reposé sur la selle d'aerain:
Flambe exigue sortant de solitude,
Fait prosperer qui n'est à croire vain.
HENRI II

Die Sternzeichen:
Widder: Aries, Belier, Arietinus;    Stier: Taure, Taureau, Taurus;     Zwillinge: Jumeau, Gemi-
ni, Gémeaux;    Krebs: Cancer, Chancre, Ecrivisse;    Löwe: León, Lion, Leo;    Jungfrau: Vir-
go, Vierge;    Waage: Libra, Balance, Jugum;    Skorpion: Scorpio, Scorpion,    Schütze:  Sa-
gitaire, Segitarius, Tireur;     Steinbock: Capricorne, Bouquetin, Ibex;      Wassermann: Verse-
au, Aquarius;     Fische: Poisson, Pisces;

Die Planeten:
Sonne: Soleil, Sol, Phebus;     Mond: Luna, Lune, Plena, Lunaris, Croissant,    Mars: Héros, Guerrier, Hune, Mars;     Venus: Venus;     Neptun: Neptune; Poseidon;    Jupiter: Jupiter, Juppiter, Jovis;     Saturn: Saturne;     Merkur: Mercure, Mercurius;    

Andere astrologische Begriffe:
Lunaire (vom Mond...), Lunatique, sublunaire (unter dem Mond);  Solaire (von der Sonne...),  He-lio..., Ecliptique, Ecliptica (Sonnenbahn), Orbis, Astre;   Pliebus, Apollon (Sonnengötter), Pla-
netaire, Solstice (Sonnenwende), Planète(s), Univers, u.a.

Der junge Löwe überwindet den Alten...

Es gibt Beispiele zu Hauf, wo derartige Astro-Signale recht unauffällig im Text unter-gebracht wurden. Anders z.B. in Vers 1/35, der den Turnierunfall von Henri II beschrei-
ben soll. Hier wird der Löwe als "Lyon" geschrieben, also eigentlich nur ein Städtena-
me, der jedoch immer gerne als "Löwe" übersetzt wird. (An sich müsste es dort heißen
"Das junge Lyon wird den/das Alte überwinden)" – Nostradamus-Übersetzungen sind
also immer mit Vorsicht zu genießen. Wenn Sie auf die Suche nach Astro-Begiffen ge-
hen, sollten im Zweifelsfalle also immer die Original herangezogen werden, die Sie
hier komplett in beiden Sprachen auf meiner Webseite finden.     Centurien ansehen

Die hier hier aufgeführten Informationen sollen lediglich als Anregung, Idee und kleine Hilfe die-
nen und natürlich auch darauf hinweisen, dass die zahlreichen astrologischen Einschiebsel in-
nerhalb der Centurien im krassen Widerspruch zum Bannvers stehen. Sein Auge also einmal
bei der Schlüsselsuche darauf zu konzentrieren, kann durchaus Sinn machen.

Nun könnte man natürlich auch auf andere Signale in den Vierzeilern achten, wie beispielsweise
die unzähligen Ortsnamen aus dem Süden Frankreichs, der Heimat des Michel Nostradamus.
Möglich ist natürlich alles, nur vermisse ich dann im Bannspruch den Hinweis, dass sich auch
Städteplaner und Geographen von den Centurien fernhalten sollen. Dort jedoch fällt eben auf,
dass er überdeutlich darauf verweist, dass man den Centurien mittels der Astrologie nicht nä-
her kommen wird. Warum also dann diese (sehr vielen) astrologischen Begriffe in den Centu-
rien...?

Also, ruhig mal ein Augen drauf werfen...